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sammlung kritisches wissen - Band 54

Francesca Vidal (Hg.)

Bloch-Jahrbuch 2006
Heimat in vernetzten Welten

Mit Beiträgen von Burghart Schmidt, Michael Daxner, Welf Schröter, Rainer E. Zimmermann, Roger Behrens, Johan Siebers, Richard Faber, Jürgen Jahn, Beat Dietschy, Uli Müller-Schöll, Francesca Vidal

2006, 224 Seiten, br., 29,00 €
ISBN 978-3-89376-122-7 [ISBN 3-89376-122-5]

Der internationale Fachdialog „Heimat in vernetzten Welten“ zeigt das Bemühen, gegenwärtige Entwicklungen mit Kategorien aus dem Werk Blochs zu erfassen und damit die Aktualität seines Werkes zu demonstrieren. Die programmatischen Begriffe „Vernetzung“ und „Heimat“ stehen dabei ganz bewusst im Zusammenhang mit den Diskussionen um die Zukunft unserer Gesellschaft. Vernetzung ist das programmatische Stichwort für die strukturellen Pläne und Heimat steht für das Festhalten an der Utopie, mithin am fordernden Impuls der Philosophie von Ernst Bloch.

Jürgen Jahn veröffentlicht seine Arbeit „Ernst Bloch im Visier der Staatssicherheit – Der operative Vorgang ‚Wild‘“.

sammlung kritisches wissen - Band 54
( Talheimer Verlag )

€ 29.00 (inkl. 7 % MwSt.)


Inhaltsverzeichnis

 


Vorwort

Francesca Vidal
Zwanzig Jahre Ernst-Bloch-Gesellschaft: Rückblick und Perspektiven

Burghart Schmidt
Heimaten als zahllose Knoten in hoch wehenden Netzen

Michael Daxner
Die jüdische Gestalt von Hannah Arendt

Welf Schröter
Wachsende Entfremdung oder Rückkehr einer emanzipativen Antithese? Über Virtualisierung und Entgegenständlichung von Arbeit

Rainer E. Zimmermann
“The exact size, shape and color of hope itself.” Virtual Environment & Concrete Utopia

Roger Behrens
Die Heimat der Nomaden. Eine Utopiekritik des virtuellen Raums

Johan Siebers
In the Shadow of a Tree – The Category 'Home' in Global Capitalism

Richard Faber
Ludwigshafen, München, Berlin und andernorts. Zur Kulturgeographie der Ernst Blochschen ‚Spuren‘

Jürgen Jahn
Ernst Bloch im Visier der Staatssicherheit. Der Operative Vorgang „Wild“.

Beat Dietschy
Zum Tod von Eberhard Braun

Uli Müller-Schöll
Arbeit als Grundbegriff einer epochalen Theorie der Welt. Zur philosophischen Intention von Eberhard Braun.

 

Aus dem Vorwort:

 

„Die diesjährige internationale Fachtagung ‚Heimat in vernetzten Welten‘ zeigt das Bemühen, gegenwärtige Entwicklungen mit Kategorien aus dem Werk Blochs zu erfassen und damit die Aktualität seines Werkes zu demonstrieren. Die programmatischen Begriffe ‘Vernetzung‚ und ‘Heimat‚ stehen dabei ganz bewusst im Zusammenhang mit den Diskussionen um die Zukunft unserer Gesellschaft. Vernetzung ist das programmatische Stichwort für die strukturellen Pläne und Heimat steht für das Festhalten an der Utopie, mithin am fordernden Impuls der Philosophie von Ernst Bloch. Nicht von ungefähr sind dies auch die Begriffe, mit denen sich über gesellschaftliche Strukturen und Entwicklungen diskutieren lässt.

Angenommensein und Angesprochenwerden sind Sehnsüchte des Menschen, die in der Kindheit wachgerufen wurden. Ernst Bloch verbindet sie mit unserem Traum von einer Welt, die Heimat ist. Aber ist nun die sich immer mehr vernetzende Welt etwas, was der Verwirklichung dieses Traumes entgegensteht oder entwickeln sich neue Perspektiven? Wenn sich die Frage nach der Selbstverortung des Menschen neu stellt, bekommt dann der Blochsche Heimatbegriff eine neue Brisanz? Wie aktuell ist ein Begriff von Heimat, der nicht an Orte, sondern an die Zukunft gebunden ist?

Das Jahrbuch nimmt einige Beiträge der Tagung auf und ergänzt sie durch weitere. Alle wollen Vernetzungen aufspüren. Sie suchen Spuren dieser Netzwerke zwischen Philosophen, zwischen Orten, zwischen Sozialem, zwischen Virtuellem und Ideellem und zeigen ausgehend von Zusammenhängen und Hintergründen über die Auswirkungen für den Einzelnen und die Gesellschaft, was konkrete Utopie von Heimat in vernetzten Welten heißen kann.

Welf Schröter konzentriert sich dabei auf die Zukunft der Arbeit, den Wandel des Arbeitsbegriffes und die damit einhergehenden Probleme aber auch Chancen für die arbeitenden Menschen. Er thematisiert die strukturelle Ungleichzeitigkeit im Prozess der Virtualisierung der Arbeit.

Rainer Zimmermann sucht die ‚Invariante der Hoffnung‘ in virtueller Umgebung und zeigt, dass virtuelle Räume keiner Spezialethik bedürfen, wie oftmals behauptet.

Philosophisch und sehr grundsätzlich fragt Johan Siebers nach den Chancen bzw. Nichtchancen von Philosophie, heute gehört zu werden, wenn die Zeit den Philosophen zwingt zum Redner zu werden. Sein Ziel ist es zu verdeutlichen, wie die Kategorie Heimat hilft zu zeigen, wo die traditionelle Metaphysik unzureichend in der Analyse von Welt bleibt, und zugleich in Hinblick auf die Globalisierung nicht leichtfertig zu glauben, jetzt würde sich ein automatischer Weg zu neuer Heimat finden.

Kritisch beleuchtet Roger Behrens den Blochschen Heimatbegriff. Er verweist auf die Ausdehnungsbestrebungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in ‚eine virtuelle, fiktionale Welt, orientiert ins All‘ und ‚eine virtuelle, elektronische Welt, orientiert in dem verrechneten, vernetzten Raum‘, um dann mit Blochs Heimatbegriff den der Popkultur gegenzulesen. Mit Blochs Heimatbegriff liest er am Beispiel einer Postercollage von Richard Hamilton den Heimatbegriff des Pop gegen.

Während Schröter, Siebers und Behrens die Bedeutung der Kategorie Heimat in Bezug auf die Entwicklung der Kommunikationsgesellschaft erörtern, wollen Daxner, Schmidt und Faber ganz im Konkreten Vernetzungen aufspüren. Richard Faber sucht Spuren an konkreten Orten, solche, die Blochs Leben geprägt haben konzentriert auf Ludwigshafen, München, Garmisch/Grünwald, Berlin und Heidelberg ‚von den Spuren her und auf sie hin‘. Er fragt danach, inwieweit die Orte, ihre Kultur und ihre Bewohner das Blochsche Denken beeinflussten, was sie über Bloch verraten, was sie uns über seinen Stil sagen und inwieweit sie zum Verständnis seines in die Zukunft gedachten Heimatbegriffes beitragen. Burghardt Schmidt erläutert das Utopische und Sehnsüchtige dieses Heimatbegriffes in Bezug auf die Welt, die bleibt als das, was wir in uns tragen und als ihrem Wesen unerreichbare Sehnsucht, und macht deutlich, warum dies auch in beschleunigten Zeiten nicht an Brisanz verliert. Michael Daxner sieht Bezüge zwischen Ernst Bloch und Hannah Arendt, die diese selbst nicht unbedingt wahrgenommen haben, die sich aber treffen im Beharren auf der Verantwortung des Menschen. Mit Arendt wertet Daxner ‚Geborensein‘ als Freiheit und Herausforderung und deutet das Erscheinen in der Welt als Aufforderung, in ihr zu handeln und dabei für das eigene Handeln auch zu haften.

Verantwortung prägt auch den Aufsatz von Jürgen Jahn, auch wenn Vernetzung hier in einem eher negativen Sinn zum Tragen kommt. Jahn konnte seit 1994 Einblick in die Stasi-Akten Ernst und Karola Blochs nehmen und hat diese sehr genau studiert. Er schildert das Bemühen der Stasi die Blochs zu observieren und von Anfang an in eine staatsfeindliche Ecke zu drängen, ohne jemals etwas von der Philosophie Blochs zu begreifen oder auch die abgehörten Gespräche verstehen zu können. Jahn zeigt, dass alle konkreten Vorwürfe, die gegen Bloch erhoben wurden, trotz des massiven Eindringens in die Privatsphäre nie belegt werden konnten und die tatsächliche Kritik am DDR-Regime nicht begriffen wurde. Erschreckend bleibt, wie viele Mitarbeiter universitärer Institute und Menschen, denen die Blochs mit Vertrauen begegneten, sich von der Stasi instrumentalisieren ließen. Durch den von Jahn analysierten ‚Operativen Vorgang Wild‘ erhält der Leser bzw. die Leserin ein anschauliches Bild vom Umgang der DDR mit seinen Intellektuellen.

Mit seinen Beiträgen will dieses Jahrbuch ein Dokument sein, dass die EBG die Herausforderung in dieser Gesellschaft zu handeln annimmt, indem sie durch aktuelle Diskussionen offenes, kritisches und philosophisches Forum bleibt.“