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sammlung kritisches wissen - Band 65

Heidi Beutin, Wolfgang Beutin, Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Herbert Schmidt, Claudia Wörmann-Adam (Hg.)

Der Sturz in die Barbarei 1933
Antworten deutschsprachiger jüdischer Künstlerinnen und Künstler

Mit Beiträgen von Heidi Beutin, Wolfgang Beutin, Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Dina Bösch, Christian Bunners, Johan Dvorák, Jost Hermand, Thomas Kraft, Harald Lützenkirchen, Regine Möbius, Susanne Schmidt-Knaebel, Herbert Schmidt, Imre Török, Gerhard Wagner, Olaf Walther, Claudia Wörmann-Adam

2011, 272 Seiten, 29,00 €
ISBN 978-3-89376-142-5

Wie reagierten deutschsprachige jüdische Intellektuelle auf den heraufziehenden Nationalsozialismus? Die Neuerscheinung „Der Sturz in die Barbarei 1933“ betrachtet deren politische Einschätzungen der Gefahren. Dieser Band erinnert an ausgewählte jüdische Künstler/Künstlerinnen, Philosophen/Philosophinnen und Intellektuelle, die ein erstaunlich umfangreiches Schrifttum hervorgebracht haben. Wie standen sie zu den Vorgängen im Reich, zum Nationalsozialismus und seinen Gräueln?

sammlung kritisches wissen - Band 65
( Talheimer Verlag )

€ 29.00 (inkl. 7 % MwSt.)


Inhaltsverzeichnis

 

Heidi Beutin, Wolfgang Beutin, Heinrich Bleicher-Nagelsmann,
Herbert Schmidt, Claudia Wörmann-Adam
Vorwort

Dina Bösch
Der Sturz in die Barbarei 1933. Antworten deutschsprachiger jüdischer Künstlerinnen und Künstler

Wolfgang Beutin
„Doch wir, sagten wir, wir ergeben uns nicht.“ Jüdische Künstlerinnen nehmen die Partei des Lebens gegen die Partei des Todes

Johan Dvorák
Karl Kraus, die österreichische Tradition der Barbarei und der Nationalsozialismus

Gerhard Wagner
Liebe, Freundschaft, Propaganda. Hollywoods „Casablanca“ und die deutsch-jüdische Filmemigration

Claudia Wörmann-Adam
Vom Paradies in die Hölle. Deutschsprachige Intellektuelle im südfranzösischen Exil

Regine Möbius
„Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“ Der Herausgeber Max Brod und Kafkas Visionen der Barbarei

Susanne Schmidt-Knaebel
Schreiben rettet ein Leben. Ilse Aichingers Roman „Die größere Hoffnung“

Christian Bunners
Auf dem Wege zu einem „neuen Weltbewußtsein“. Politik, Humanität und Religion bei Franz Werfel

Harald Lützenkirchen
Gewarnt, gefoltert, geflüchtet. Der Leidensweg des Schriftstellers Kurt Hiller

Imre Török
Erbschaft und Schicksal. Walter Benjamin und Ernst Bloch, philosophisch-politische Mahner vor dem Faschismus

Heidi Beutin
„Wenn das Joch der Barbarei drückt, muß man kämpfen und darf nicht schweigen.“ Ernst Toller (1893–1939) –
Sozialist, Revolutionär, Pazifist

Olaf Walther
„Es lohnt nicht – so tief kann man nicht schießen.“ Kurt Tucholskys literarischer Kampf gegen Diktatur und Krieg

Thomas Kraft
Jakob Wassermann – kein Weg als Deutscher und Jude

Heinrich Bleicher-Nagelsmann
Arbeiter, Kunst und Künstler. Max Raphael und seine ‚Kunsttheorie‘ am Vorabend des ‚Weltbrandes‘

Jost Hermand
„Uns wird schon nichts passieren!“ oder: Über die jüdische Illusion, nach dem 30. Januar 1933 weiterhin in einem „Rechtsstaat“ zu leben. Zur Kritik dieser Haltung in Ferdinand Bruckners „Die Rassen“ (1934) und Friedrich Wolfs „Professor Mamlock“ (1934)

Heinrich Bleicher-Nagelsmann
Für Jost Hermand. Eine Laudatio

Autorinnen und Autoren

 

Aus dem Vorwort

 

„Wie war es möglich, daß der Faschismus in Deutschland gesiegt hat? Gerade in Deutschland, dem Land der großen, mächtigen Arbeiterbewegung?“ (Lisa Fittko). „Das Unvorstellbare geschieht, weil die Leute es sich nicht vorstellen können“ (Karl Kraus). Welche gedanklichen und praktischen Reaktionen – von Ausreise, Flucht und Exil über Resignation, Verzweiflung und Selbstmord oder Wechsel politischer und religiöser Positionen bis hin zum Widerstand und Kampf – wählten sie? An Hand von Literatur und Dichtungen, Analysen und Erklärungen, Flugblättern und Protesten beschäftigen sich die Autorinnen / Autoren mit Ernst Bloch, Lion Feuchtwanger, Lisa Fittko, Valeska Gert, Kurt Hiller, Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Max Raphael, Adrienne Thomas, Ernst Toller, Franz Werfel, Arnold Zweig und anderen, deren Worte auch heute noch Wirkung entfalten oder entfalten können.

Der Philosoph und Gegner des Nationalsozialismus Ernst Bloch sah die Gefahren des Hitler-Staates früh voraus. In seinem Werk ‚Erbschaft dieser Zeit‘ legte er Grundlagen für sein späteres Hauptwerk ‚Das Prinzip Hoffnung‘. Imre Török, Vorsitzender des Schriftstellerverbandes würdigt in dem aktuellen Band ‚Der Sturz in die Barbarei‘ die Bedeutung Blochs für den Widerstand gegen das NS-Reich: „Zukunft und Erbschaft sind im Denken von Bloch engstens miteinander verflochten. Und gerade mit diesem Ansatz kann er das ‚Dritte Reich‘, das ‚Tausendjährige Reich‘ am treffendsten entlarven. Und tut das, warnend, bereits vor der Machtergreifung Hitlers und besonders intensiv in seinen Schriften in den dreißiger Jahren.“

Imre Török, der in Tübingen bei Ernst Bloch studierte, betont die Zusammenhänge im Werden des Blochschen Denkens: „Das philosophische Hauptwerk von Ernst Bloch ‚Das Prinzip Hoffnung‘, dieses große und großartige Werk entsteht ab 1938. Der Entwurf seines Denkens, das Ideengerüst und die Analyse des Hoffnungsbegriffes findet sich jedoch bereits in früheren Werken, so in ‚Geist der Utopie‘, in der Monographie ‚Thomas Münzer als Theologe der Revolution‘ und insbesondere in ‚Erbschaft dieser Zeit‘. […] Doch Hoffnung als utopische Funktion, der Tagtraum als Keimzelle utopischen Denkens, die Ontologie des Noch-Nicht-Seins, das werdende Neue, das Prinzip Hoffnung also, wird bereits in ‚Erbschaft dieser Zeit‘ mitgedacht.“