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reihe nut e.V. - Band 07

Bettina Bock von Wülfingen

Verhüten – überflüssig
Medizin und Fortpflanzungspolitik am Beispiel Norplant

2001, 200 Seiten, br., 24,00 €
ISBN 978-3-89376-069-5 [ISBN 3-89376-069-5]

Was ist dran an der schönen neuen Welt der Langzeitverhütungsmittel? Sind unter der Haut getragene Hormonbehälter, Spritzen und Impfungen der Weg zu unbeschwertem Leben und sicherem Empfängnisschutz? Bisher vornehmlich von bevölkerungspolitischen Organisationen in den USA konzipiert, weitet sich das Anwendungsgebiet dieser Produkte von den so genannten „Krisenzentren der Bevölkerungsexplosion“ auf die „junge Frau in der Ausbildungsphase“ in Nordamerika und Europa aus. Warum aber ziehen dann Tausende von Anwenderinnen in den USA vor Gericht?

reihe nut e.V. - Band 07
( Talheimer Verlag )

€ 24.00 (inkl. 7 % MwSt.)


Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Von peinlich-heimlicher Verhütung zum disziplinierten Sex
   Der demographische Übergang
   Der Ruf nach staatlicher Bevölkerungskontrolle
   Nach 1945: bevölkerungspolitische Organisationen und Staat an einem Strang
   Der Weg zu Norplant

Exkurs: Von Kopf bis Fuß auf Hormone eingestellt
   Kleines Lexikon: von Gehirnen und Gonaden
   Der menschliche Zyklus

Norplant im Vergleich mit anderen Hormonmitteln – eine zweigleisige Entwicklung
   Die eine Richtung: Die Pille, eine tägliche Entscheidung
   Die Dauerpräparate: Einmalige Wahl, dauerhafte Wirkung

Norplant wirkt und nebenwirkt
   Faktoren der Sicherheit von Norplant
   Un-/Erwünschte Wirkungen von Norplant
   Effekte mit potentiell tödlichem Ausgang

Nichtwissen schützt vor „Nebenwirkungen“ nicht – zur Qualität der Norplant-Studien
   Ach so viel studiert und nicht schlauer als zuvor
   Häufig – aber nicht ernst zu nehmen
   Bleiben heißt nicht immer Liebe
   Zur Durchführung von „Feldstudien“

Norplant im gesellschaftlichen Kontext
   Motivation und Nötigung
   Wer trägt Norplant Soziale Gesundheitsfolgen – Verhütung in Gesellschaft
   Kostbare Reproduktion

Der neue Trend zur heimlichen Verhütung: ohne Körper keine Kontrolle?
   Wirtschaftliche Aspekte der Norplant-Politik: Norplant als Wegbereiter
   Die Schuld der Frau und das autoritäre Genom
   Abgesang auf Norplant: Feminismus im Disput

Literatur


Anhang
   Tabelle
   Abbildungen
   Glossar


In ihrer wissenschaftlichen Untersuchung analysiert die Autorin den Prototyp der Langzeit-Verhütungsmittel: Norplant. Sind solche Implantate der Weg zu unbeschwertem Sexualleben mit sicherem Empfängnisschutz? Ihr Anwendungsgebiet weitet sich derzeit von den sogenannten „Krisenzentren der Bevölkerungsexplosion“ auf die „junge Frau in der Ausbildungsphase“ in Nordamerika und Europa aus. Norplant ist allerdings nicht nur bevölkerungspolitisch „beispielhaft“ für viele Präparate dieser Art, sondern auch durch die mangelnde Qualität der klinischen Studien: Während diese Sicherheit suggerieren, klagen zehntausende von Frauen wegen der gravierenden Wirkungen des Präparats vor Gericht.


Den Kern dieses Bandes bildet die Analyse solcher pharmakologischen und klinischen Studien. Im Lichte der jüngeren Verhütungsgeschichte und Bevölkerungspolitik und unter dem Vergrößerungsglas (medizinischer) Geschlechterpolitik arbeitet die Autorin heraus, daß Norplant eine einseitige biomedizinische Antwort auf wirtschafts- und sozialpolitische Fragen darstellt. Dabei wird deutlich, von welchen Interessenlagen und historisch-politischen Bedingungen die Fortpflanzung heute umgeben ist. Nachfolgeprodukte wie Implanon finden seit kurzem auch in Deutschland breite Anwendung. Der angekündigte Richtungswechsel hin zur standardisierten Sterilität und operativen Zeugung ist bereits weltweit im Gange.


Zur Autorin: Dipl. Biol. Bettina Bock v. Wülfingen hat Biologie, Philosophie und Politikwissenschaft in Regensburg, Córdoba (Argentinien) und Bremen studiert und war in Argentinien als Journalistin tätig. Sie verfasste 1999 eine molekularbiologische Abschlussarbeit zum Thema der pharmakologischen Wirkungen von Norplant. In ihrem Promotionsvorhaben betrachtet sie aktuelle Veränderungen des biomedizinischen Diskurses zur Reproduktion und „Sexualgesundheit“ vor dem Hintergrund aktueller Gesundheits- und Verwertbarkeitskonzepte. Ihre favorisierten Themen sind die Konstruktion der Geschlechter und der Normheterosexualität, „ReProduktions“-Wissenschaft und ihre technische Anwendung.



Aus dem Vorwort:

„Norplant ist eines jener global eingesetzten Langzeitverhütungsmittel, deren gemeinsames Kennzeichen ist, daß sie sich gänzlich dem Zugriff der verhütenden Frau entziehen. Norplant besteht aus sechs kleinen, hormongefüllten Stäbchen, die operativ unter die Haut am Innenarm gesetzt werden und solange das Hormon abgeben und schwangerschaftsverhütend wirken bis sie – wiederum operativ – entfernt werden. Die Geschichte der Entwicklung von Norplant ebenso wie der Diskurs um seine ‚Nützlichkeit‘ und Anwendungssicherheit, der den Erfahrungen der Anwenderinnen widerspricht, zeigt für den Bereich der Reproduktion paradigmatisch, mit welcher technischen Vorgehensweise in Laboren und an Schreibtischen vor einem ideologisch aufgeladenen Hintergrund Mythen produziert und reproduziert werden. Norplant wurde ausdrücklich mit dem Ziel entwickelt, dem ‚dringenden Problem‘ hoher Fortpflanzungsraten in den sog. Entwicklungsländern beizukommen. Dabei überkreuzen sich Mythen über ‚Frauen‘, über ‚Fruchtbarkeit‘, über ‚Armut‘ und deren Ursachen mit Mythen über die sog. Entwicklungsländer, von wo aus die ‚Überbevölkerung‘ uns alle bedrohe.“