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reihe politische erfahrung - Band 06

Anne Frommann, Welf Schröter (Hg.)

„Ich gehe zu jenen, die mich brauchen“
Zum 85. Geburtstag von Karola Bloch

Mit Beiträgen von Anne Frommann, Inge Jens, Walter Jens, Gretchen Dutschke-Klotz, Jürgen Teller, Jan Robert Bloch, Nina Ranalter, Peter Grohmann, Burghart Schmidt, Wolfram Burisch, Anna Cunico Czajka, Gajo Petrović, Reymondo Tigre Perez, Welf Schröter, Margarita Pastene

1991, 192 Seiten, kt., mit zahlreichen Abb., 25,00 €
ISBN 978-3-89376-013-8 [ISBN 3-89376-013-X]

„Ich gehe zu jenen, die mich brauchen.“ Dieser moralische Grundsatz begleitete Karola Bloch durch ihr an Ereignissen reiches und stets kämpferisches Leben. Solidarität mit den Menschen und die Verantwortung „für die gemeinsame Sache“ wurden ihr zur selbstverständlichen Verpflichtung. Als sie am 22. Januar 1990 ihren 85. Geburtstag in Tübingen feierte, meldeten sich viele jener alten und jungen Freunde zurück, die die Hilfe und Unterstützung „der großen alten Dame der Linken“ erfahren hatten und sich nun ihrerseits mit einer besonderen Hommage an „die rote Karola“ bedanken wollten. In sieben verschiedenen Städten zeigten Künstler, Schauspieler, Studierende, Frauen und Männer unterschiedlichsten politischen Engagements ihre Ehrungen in Vorträgen, Lesungen, Zeitungsartikeln, Gedichten, Liedern, Transparenten, persönlichen Würdigungen, Porträts in Funk und Fernsehen. Die Herausgeber des vorliegenden Bandes haben einen Ausschnitt der Würdigungen zusammengestellt. Inhalt und Form der Beiträge beleuchten die vielfältigen Aktivitäten Karola Blochs, ihre Wärme und ihr entschlossenes Eingreifen. Ein Band zu und über Karola Bloch, geschrieben von Freunden und Wegbegleitern aus Anlass ihres 85. Geburtstags. Im Anhang finden sich frühe Texte von Karola Bloch, vornehmlich aus ihrer Zeit als Architektin, die bis heute nicht mehr zugänglich waren.

reihe politische erfahrung - Band 06
( Talheimer Verlag )

€ 25.00 (inkl. 7 % MwSt.)


Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort

Anne Frommann
Zum 22. Januar 1990

Jürgen Teller
Die große alte Dame der Linken

Walter Jens
Sozialistin in widrigen Zeiten

Nina Ranalter
Identität

Nina Ranalter
terrain vague

Nina Ranalter
Ostberlin

Nina Ranalter
gabán de invierno

Inge Jens
Ad multos annos

Jan Robert Bloch
Abschied von der Utopie?

Reymondo Tigre Perez
Karinsini Karola Bloch

Margarita Pastene
Ein Lied für Karola

Gajo Petrovic
Gruß an Karola

Burghart Schmidt
Vom Ungetüm der Kunst am Bau

Wolfram Burisch
Der unablässige Kampf um Kontinuität

Anna Cunico-Czajka
Karola, Freundin;

Peter Grohmann
Für Karola Bloch

Peter Grohmann
Der Nationalsozialismus

Peter Grohmann
11. April 1968

Anne Frommann
Hilfe zur Selbsthilfe

Im Gespräch mit Karola Bloch
Utopie ist etwas Wirkliches

Gretchen Dutschke-Klotz
Eine große Verwandtheit

 


Anhang

Karola Bloch
Meine Arbeit als Architektin

Karola Bloch
Die Wohnung

Karola Bloch
Die Frau als Architektin

Karola Bloch
Ein Blick nach Polen

Rudi-Dutschke-Kreis

Karola Bloch
Gegen den Staatsstreich

 

Karola Bloch-Piotrkowska wurde am 22.1.1905 in Lodz/Polen geboren. Den ersten Wettkrieg verbrachte sie mit ihrer Familie in Moskau, erlebte dort als 12jährige die Russische Revolution. 1918 kehrte sie nach Lodz zurück, wo ihr Vater eine Textilfabrik besaß. 1921 übersiedelte die Familie nach Berlin. Dort erlernte Karola Piotrkowska erst den Beruf einer Kunstgewerblerin, dann studierte sie Architektur an der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Seit 1929 war sie mit Ernst Bloch befreundet. Sie ging 1933 nach Zürich, wo sie 1934 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ihr Diplom als Architektin erhielt. 1934 heiratete sie Ernst Bloch und emigrierte mit ihm nach Wien, Paris, Prag und den USA. In der Emigration arbeitete sie als Architektin. 1949 kehrten Blochs nach Deutschland zurück und lebten in Leipzig bis 1961. Nach erfolgtem Berufs- und Publikationsverbot verließen sie 1961 dir DDR und verlegten ihren Wohnsitz nach Tübingen.

 

„Wir feiern in stark bewegter Zeit, zwischen Ausbrüchen von ganzen Gesellschaften, Aufbrüchen und Umgestaltungen, die Desillusionierung bedeuten und neue alte Hoffnungen tragen. Für Dich, die Du keine oder wenig Lebensangst kennst, ist die Bewegung ein besonderes Geschenk, weil sie – anders als der scheinbar leblose Januar der Natur – ‚es nicht bei sich selber aushält‘, sondern weiter will, ungeachtet der manchmal fehlenden eigenen Kräfte sogar. Von der Jugend, die Du neidlos in Anderen suchst und selber noch immer in Spontaneität und Wärme bewahrt hast, sprach Ernst Bloch als der ‚grünen Zeit‘, in der Sehnsucht antreibt – von einer Zeit, die ‚vom vagen, vor allem privaten Ahnen zum mehr oder minder sozial geschärften, sozial beauftragten‘ fortschreiten müsse. Du, Karola, sprichst davon, daß Du in Deiner Jugend Revolutionärin wurdest und daß Du tief entschlossen warst, ‚eher zu denen zu gehen die dich brauchen als zu denen, die du brauchst‘. Du bist bei den Träumen Deiner Jugend geblieben.“ (Anne Frommann)

 

„Als ich bei dem Parteiverfahren 1958, das zu meinem Ausschluß aus der SED führte, hochnotpeinlich befragt wurde, warum ich meine Beziehungen zu der bereits als ‚Parteifeindin entlarvten‘ Frau Bloch nicht abgebrochen habe, antwortete ich: ‚Sie ist mir eine zweite Mutter.‘ Die Duplik kam prompt: ‚Weißt du nicht, daß die Partei deine Mutter ist!‘ Ein Glück, daß diese mich ausgesetzt hat. Just in politicis hatte ich in Dir eine fantastische Lehrmeisterin. Du gingst mit allen Leuten, inklusive hohen Parteifunktionären, in einer mich unter den damaligen Umständen beinahe schockierenden Direktheit um, als müßte man sich nicht jedes Wort dreimal überlegen. Den beiden mächtigsten Parteisekretären in Leipzig, Fröhlich und Wetzel, sagtest Du nach dem ungarischen Aufstand 1956 und den Nachrichten über das Schicksal eines der Kinder des inzwischen ‚liquidierten‘ ungarischen Reformers Imre Nagy mitten ins Gesicht: ‚Aber das ist ja roter Faschismus.‘ Und: Wo bleiben denn die Denkmäler für die entsetzlich vielen Opfer Stalins?‘ Solcher Unmittelbarkeit waren die Bonzen nicht gewachsen – freilich war damit das Urteil über Karola gefällt: Ausschluß aus der Partei und aus dem Architektenverband. Ernst Bloch war bei diesen und ähnlichen Auftritten durchaus zögerlicher, wenn auch (wider neuerliche Abrede aus vertrautem Kreise) nicht zu grundsätzlichen Zugeständnissen gegenüber den Apparatschiks bereit. Allerdings gab er Positionen, insonderheit hinsichtlich der Realisierung von theoretisch doch unwiderlegbaren Überzeugungen, nicht gerne preis. So wollte er, einem sonderbar gewählten Aperçu aus Melvilles ‚Moby Dick‘ folgend lieber ‚die Flagge an den zersplitterten Mast nageln‘. Die Metapher geht auf trotz, nicht auf Trost: das Schiff geht unter.“ (Jürgen Teller)