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sammlung kritisches wissen - Band 27

Susanne Höser, Richard Scherer

Wir hatten Hoffnung auf eine Demokratie
Rostocker Protestanten im Herbst ‘89

2000, 320 Seiten, br., 28,00 €
ISBN 978-3-89376-070-1 [ISBN 3-89376-070-9]

Selten dürfte bei einem historischen Ereignis die Trennung von Vor- und Nachgeschichte so ausgeprägt gewesen sein wie beim Herbst ‘89 der DDR. Seine Vorgeschichte gehört zur Entwicklung der osteuropäischen Staaten im Allgemeinen und des DDR-Sozialismus im Besonderen; seine Nachgeschichte zum weiten Feld der gesellschaftlichen und politischen Kalküle und Interessen insbesondere des westdeutschen Staates.

sammlung kritisches wissen - Band 27
( Talheimer Verlag )

€ 28.00 (inkl. 7 % MwSt.)


Inhaltsverzeichnis

 


Vorbemerkung

 

I Zu den wissenschaftlichen Analysen des Herbstes ‘89

Grundmuster der Diskussion

 

II Rostocker Protestanten im Herbst 1989

 

III Die Interviews

Peter Schmidt
„Da war ich hautnah dran“

Gerd Vogt
„Es war wirklich eine Hoffnung …“

Heidemarie Parlow
„Das Gemeinschaftliche gefiel uns“

Reinhart Dühring, Andreas Neupert, Rolf Grund
„Dieses Zusammenhalten war gut“

Dieter Wolter
„… mehr eine Gemeinschaft, die ein Zuhause bot“

Charlotte Ortmann
„Es war der Wille zu etwas Neuem“

Joachim Langer
„Eine von unten kommende Demokratie“

Hartwig Vogt
„Ich habe gelernt, mich dazu zu bekennen“

Matthias Glüer
„Möglichst angstfrei auftreten“

Gerda Krebes
„…, daß man insgesamt ein Stück ehrlicher wird“

Wolfram Vormelker
„Da gab es offensichtlich eine staatssicherheitliche Lücke“

Thomas Steinbacher, Uwe Pilgrim
„Weil die Kirche eine vom Staat unabhängige Instanz war“

Sabine Handrick
„Eine gewisse Mündigkeit hat man sich schon antrainiert“

Henry Lohse
„Dieser Platz zwischen allen Stühlen ist nicht der schlechteste“

Gunther Pistor
„Das war eine Grauzone des Möglichen“

Jens Langer
„Unser Beitrag bestand vor allem darin, daß wir den Übergang friedlich ermöglicht haben“

 

IV Anmerkungen zu den Interviews

 

Die Erinnerung an den Herbst 1989 ist blass geworden. Übrig geblieben ist die Tatsache der Ereignisse, oft reduziert auf den Fall der Mauer, und das staatspolitische Resultat, der Beitritt der ostdeutschen Bundesländer zur Bundesrepublik. Doch was sich im Sommer und Herbst ‘89 ereignete, war vielschichtiger und auch motivreicher, als in dieser Verkürzung sichtbar wird. Im Herbst verbanden sich Hoffnungen, Vorstellungen, Interessen, Einstellungen, die sich in den Jahren und Jahrzehnten zuvor in der DDR-Gesellschaft ausgebildet hatten, zu gemeinsamen Aktionen.

Der Band rekonstruiert am Beispiel der Kirchen und Gemeinden der Region Rostock, die, wie anderswo auch, wesentlich an der Herbst-Bewegung beteiligt waren, die kulturelle und soziale Struktur, die den Herbst möglich machten. Grundlage dafür sind 32 Interviews, in denen, vom Ereignis Herbst ‘89 rückwärtsgehend, nach Biographie, kulturellen Mustern und sozialen Beziehungen gefragt wurde. Dadurch lässt sich das für den Herbst ‘89 bestimmende Verhältnis von Veränderung, Bruch und Kontinuität anders und genauer beschreiben.

Das Buch besteht aus 16 Interviews und drei Kapiteln. Allen Interviewpartnerinnen und -partnern gemeinsam ist, dass sie zum einen in kirchlichen oder gemeindlichen Zusammenhängen sich bewegen und zum andern als Handelnde an den Aktionen des Herbstes beteiligt waren. Die Interviews sind darauf angelegt, nicht bloß die Ereignisfolge abzufragen, sondern vor allem zu versuchen, die Hintergründe zu erhellen, die Orientierungen, die Motive, die zu einem Aktiv-Werden führten. Auf diese Weise wird auch die Vielfalt sichtbar, die für den Herbst ‘89 charakteristisch war. Die Gespräche wurden geführt mit: Peter Schmidt, Gerd Vogt, Heidemarie Parlow, Reinhart Dühring, Andreas Neupert, Rolf Grund, Dieter Wolter, Charlotte Ortmann, Joachim Langer, Hartwig Vogt, Matthias Glüer, Gerda Krebes, Wolfram Vormelker, Uwe Pilgrim, Thomas Steinbacher, Sabine Handrick, Henry Lohse, Gunther Pistor, Jens Langer.

Dieses Buch stellt eine kritische Reflexion nach 10 Jahren deutsch-deutscher Vereinigung dar. Es will an die Tagträume einer demokratisch-protestantischen Bewegung zurückerinnern und deren heutige Unabgegoltenheit aufzeigen.

 

„Das erste der drei Kapitel beschreibt kurz einige der wesentlichen, d.h. der gängigsten Denk- und Argumentationsfiguren den Herbst ‘89 betreffend. Dabei geht es nicht um Vollständigkeit in irgendeinem Sinn, sondern gefragt wird nach den grundlegenden theoretischen Annahmen, die die Analyse des Herbstes bestimmen, gleichsam nach den Folgen der oben beschriebenen Lücke. Konzentriert man sich auf diese Grundannahmen, dann schmilzt die scheinbare Vielfalt der Theorien auf ein Grundmuster zusammen. Für das Kapitel verantwortlich ist Richard Scherer.

Im zweiten Kapitel rekapituliert Susanne Höser die Herbst-Ereignisse in Rostock. Der Akzent liegt auf der kirchlichen Beteiligung, wobei kirchlich sowohl Kirche als Raum als auch die Menschen in den Kirchen, Mitarbeiter, sog. Laien, Pastoren, und die Formen der in der Kirche ausgebildeten Kommunikation meint. Die Analyse zeigt, wie dicht die Aktionen des Herbstes an der Kirche waren, so daß sich die Annahme nahelegt, in Rostock seien stärker als anderswo die Ereignisse von den Kirchgemeinden vorangetrieben worden.

Das letzte Kapitel schließlich, für das Richard Scherer verantwortlich ist, fragt danach, wie die Motive der Interviewten sich mit der Situation des Herbstes verbanden. Die Interviews sollten ja ihrer Anlage nach nicht bloß die Ereignisfolge abfragen, sondern wollen vor allem versuchen, die Hintergründe der Akteurinnen und Akteure zu erhellen, ihre Orientierungen und Motive, die zu einem Aktiv-Werden führten, im biographischen Zusammenhang erhellen.“ (Aus der Vorbemerkung)